24. März 2006
TROTZ NEONAZI-VORWÜRFEN
KarstadtQuelle hält doch an Lonsdale fest
KarstadtQuelle will auch weiterhin Kleidung der Marke Lonsdale verkaufen, die
bei Rechtsextremen beliebt ist. Eine gerade erst erfolgte Entscheidung der Versand-Tochter
Quelle, Lonsdale auszusortieren, wurde damit über den Haufen geworfen.
Essen - Der Konzern habe "nach reiflicher Überlegung" entschieden,
Lonsdale weiter zu führen, sagte Sprecher Jörg Howe in Essen. Damit
macht das Unternehmen eine Entscheidung der Quelle-Geschäftsführung
rückgängig, die Lonsdale nach Beschwerden der SPD-Jugendorganisation
Jusos aus dem Programm nehmen wollte. Londsdale ist bei Neonazis beliebt, da
die Marke auf ihren großen Brustlogos die Buchstaben NSDA wie in NSDAP
enthält.
KarstadtQuelle habe sich davon überzeugt, dass sich der deutsche Vertriebshändler
der Marke, die Firma Punch in Neuss, "eindeutig mit entsprechenden Aktionen
in der Vergangenheit von der rechten Szene distanziert hat und dies auch zukünftig
machen wird", erklärte Howe. Lonsdale-Kleidung bleibt damit im Sortiment
der Versandmarken Quelle und Neckermann sowie der Karstadt-Warenhäuser.
Der Geschäftsführer der Quelle GmbH, Michael Badke, ist unterdessen
entlassen worden - vermutlich, weil die Sanierung der Versandtochter nicht genügend
Fortschritte macht. Howe bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen
Zeitung".
Badke, der seit 2001 dem Vorstand des Unternehmens angehörte, sei mit sofortiger
Wirkung von seinen Aufgaben entbunden worden. KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff
will am Montag in Düsseldorf die Bilanz des Konzerns für das abgelaufene
Jahr vorlegen und dabei auch über den Fortgang der Restrukturierung berichten.
itz/AFP/dpa-AFX
