02. Mai 2006
Polizei unterbindet Gegenaktion der Gewerkschaften
Rostock (OZ/Cle) Alles war besprochen, alles war vorbereitet –
nichts klappte. Als die NPD-Anhänger vor dem Rostocker Gewerkschaftshaus
Halt machten, um ihre angekündigte Kundgebung abzuhalten, wurden sie mit
einem überdimensionalen rosa Tuch begrüßt. „Kein Sex mit
Nazis“ war darauf zu lesen.
Die Gewerkschafter hatten mehr Pfeile im Köcher. Sie wollten die NPD-Redner mit Rockmusik begleiten. Die Lautsprecherbatterien waren schon aufgebaut, die Polizei hatte vorab ihr „Okay“ gegeben. Doch die Boxen blieben stumm. Polizei-Einsatzleiter Helmut Qualmann verbot die Aktion im letzten Moment.
Die Gewerkschafter auf dem Dach des Hauses waren ohnmächtig – die NPD-Demonstranten spotteten und streckten vergnügt ihre Mittelfinger nach oben. DGB-Vize Ingo Schlüter telefonierte mit Qualmann. Der blieb hart, sprach von Provokation.
Doch Qualmann meinte nicht die geplante DGB-Aktion oder die NPD-Kundgebung, sondern die Kritik von DGB Nord-Chef Peter Deutschland an der Einsatzleitung. Durch die Abriegelung der Stadt würden Menschen gehindert, zur Kundgebung „Rostock bleibt bunt“ zu kommen, hatte er am Morgen gesagt. „Es kann nicht sein, dass sie in ihrer Demonstrationsfreiheit behindert werden.“
Die NPD-Redner redeten so ohne lautstarken Widerspruch. Dann packten sie ein
und zogen mit ihren Anhängern unbehelligt weiter.

OZ-Foto: Haberer
