02. Mai 2006
Im GesprächLiedermacher Konstantin Wecker: Buntes Fest ist gutes Zeichen
Rostock (OZ) Der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker beobachtete
gestern nach seinem Konzert in Rostock die Kundgebung der NPD vor dem Gewerkschaftshaus
der Hansestadt. Wecker war entsetzt über die große Zahl der rechten
Marschierer.
OZ: Herr Wecker, wie haben Sie die Stimmung in Rostock empfunden?
Wecker: Ich fand die Art, wie sich die Leute hier gegen den braunen Aufmarsch stemmen, ermutigend. Das bunte Fest in der Innenstadt mit der Mischung von Kultur und Politik war ein gutes Zeichen, wo die Mehrheit steht.
OZ: Dabei war die Masse der NPD-Sympathisanten nicht zu übersehen, oder?
Wecker: Richtig, ich hätte das nicht für möglich gehalten. Und dass die Nazis sich für ihre Kundgebung das DGB-Haus suchen, ist kein Zufall. Sie haben sich schon unter Hitler zuerst mit den Gewerkschaften angelegt. Ich finde es im Übrigen unglaublich, dass die Nazis sich so in einer Stadt ausbreiten dürfen – und damit das innerstädtische Leben extrem beeinträchtigen.
OZ: Finden Sie es richtig, dass Gerichte diesem Treiben immer wieder statt geben?
Wecker: Ich kann das nicht juristisch beurteilen. Meine Überzeugung ist jedoch, dass sich Mittel und Wege finden ließen, solche Auftritte zu verhindern. Wir alle kennen doch aus der Geschichte die Gesinnung der Nazis und ihre Folgen. Heute mit der Meinungsfreiheit zu argumentieren ist geschichtslos. Hier lebt eine verbrecherische Gesinnung fort. Das muss unterbunden werden.
OZ: Mit dem Aufstand der Anständigen?
Wecker: Ach, der ist doch Makulatur. In Deutschland hat man immer noch mehr
Angst vor Links als vor Rechts. Denn Linke wollen verändern, die Rechten
nicht wirklich – zumindest nicht an den Besitzständen. Anti-Nazis
werden schnell kriminalisiert. Dabei hat man doch hier in Rostock deutlich gesehen:
Sich gegen Faschisten zu stellen, hat mit Extremismus nichts zu tun.
Interview: THORALF CLEVEN

OZ-Foto: R.H.
